you might sleep

Works
– Four Songs for Soprano and Ghosts, performed by Annabelle von Armin, sound installation, stereo, 12 min, 2017
– the time: anti, video, Stereo-Sound, 6 min, 2015/2017
– Various Views, dyptich, acrylic on canvas, wood, wall paint, each 204 x 104 x 40 cm, 2017
– Kluski Hand Molds, gypsum, glas, 2017

YOU MIGHT SLEEP, BUT YOU WILL NEVER DREAM

The installation „You might sleep, but you will never dream“, deals with paranormal phenomena like ectoplasm and Electronic Voice Phenomenon (EVP) as a psychoanalytical narrative. Since the 1960s, the recording of EVP is a common practice to get in contact with the hereafter. Through the recording of noisy radio frequencies, unclearly speaking voices are being captured and then interpreted as messages of ghosts. These phenomena are mostly taken as an evidence for another reality, but they also can be construed as products and traces of the unconscious. Following this interpretation, the voices are not reaching us from another dimension: they appear immanently through our own psyche.

The sound piece “Songs for Soprano and Ghosts” and the video work “the time: anti” are dealing with the EVP-recordings and writings of Latvian parapsychologist Konstantin Raudive, using the footage to compose songs for a soprano singer, and a short silent movie about a burning barn.

Another popular phenomenon within that field is the ectoplasm: a gray-white or pink substance which comes from the orifices of the medium while he or she is being in contact. The French “Institute Métaphysique International” explored the séances of Polish spiritualist Franek Kluski in the early 1920s. The hand molds of ghosts called by the medium has been captured in a vessel filled with hot paraffin wax. The forms has been casted in gypsum, photographed and locked in an archive. The piece “Kluski Hand Molds” is a recreation of this hand positions and is trying to materialize the photographs which are the only visible remaining artifacts of this event.

The exhibition took place at a hotel which was built around 1900 – a golden age of spiritualist movements  around Munich and all over Europe.

(German)

„Die Zähne sind die Gitterstäbe der Dachluke des Gefängnisses. Die Seele flieht in Worten durch den Mund. Doch die Worte sind auch Ausdünstungen des Körpers, Ausflüsse, leichte Falten der Luft, die aus den Lungen strömt und vom Körper erwärmt wird.“
(Jean-Luc Nancy)

Der Werkkomplex „You Might Sleep, But You Will Never Dream“ verhandelt paranormale Erscheinungen wie Ektoplasma und Tonbandstimmen als psychoanalytische Narrative.
Die Aufnahme sogenannter Tonbandstimmen (engl. Electronic Voice Phenomenon bzw. EVP) ist seit den 1960er-Jahren eine gängige parapsychologische Methode, um mit dem Jenseits in Kontakt zu treten. Durch die Aufzeichnung rauschender Radio-Frequenzen werden undeutliche Stimmen festgehalten, welche anschließend inhaltlich interpretiert und als Botschaften Verstorbener gedeutet werden.  Offensichtlich führt das mehrfache Abspielen einer Tonband-„Stimme“ und die stetige Wiederholung ihrer vermeintlichen Bedeutung mit klarer Stimme zu einer subjektiven Interpretation der Erscheinungen. Es werden die Geister  verstorbener Angehöriger oder großer Persönlichkeiten der Weltgeschichte angerufen. Das Aufnehmen von Tonbandstimmen kann dabei sicherlich als eine Form des psychoanalytischen Gesprächs und der Trauerbewältigung verstanden werden. Das Freiburger „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ deutet das Electronic Voice Phenomenon als ein durch die Psyche selbst produziertes Phänomen, als ein Spiel des Unbewussten. Demnach existieren diese Stimmen zwar, jedoch nicht als ein außenliegendes, sondern als ein dem Rezipienten innewohnendes Ereignis. Die Werke Four Songs for Soprano and Ghosts  und the time: anti nehmen direkten Bezug auf die Arbeit des lettischen Parapsychologen Konstantin Raudive, wobei dessen EVP-Aufzeichnungen als Material für die Liedertexte und den Klang des Videos dienen.
Eine weitere vielbesprochene Erscheinung ist das sogenannte Ektoplasma: Ein grau-weißer oder rosafarbener Stoff, der aus den Körperöffnungen eines Mediums austreten soll  und dabei leichte Fäden zieht. Das in Frankreich gegründete „Institut Métapsychique International“ untersuchte in den 1920er-Jahren die spiritistischen Sitzungen des polnischen Mediums Franek Kluski. In einem mit heißem Paraffin gefüllten Gefäß sollen sich dabei die Glieder der von Kluski gerufenen Geister manifestiert haben. Die in Gips ausgegossenen Formen wurden anschließend fotografisch festgehalten und im Depot aufbewahrt. Die sechsteilige Arbeit Kluski Hand Molds ist eine nachempfundene Reproduktion dieser „Geister-Abgüsse“ und versteht sich die Materialisierung der fotografischen Vorlage.